Das Wort „vegan“ ist bei vielen Menschen stark negativ belastet. Sobald man erwähnt, dass tierische Produkte nicht zum eigenen Speiseplan gehören, wird der Gegenwind stark. Woran liegt das?

Negative oder skeptische Kommentare in Bezug auf meine Ernährungsweise habe ich schon oft gehört. Sehr populär ist auch die Aussage „Vegetarisch, ok – aber vegan?! Ne, das könnte ich nicht. Das ist ja viel zu extrem.“

In solchen Momentan entspannt und demütig zu reagieren ist kein Leichtes.Was aber dabei helfen kann, ist den Gegenüber besser zu verstehen. Da mich das Thema Psychologie und Persönlichkeitsentwickung sehr interessiert, lohnt es sich, einen tiefen Blick in die Gedanken des Gegenüber zu wagen. Welche Überzeugungen hat er? Welche Glaubenssätze haben sich in dessen Denken manifestiert? Und welche Gefühle werden in ihm ausgelöst, wenn er das Wort „vegan“ hört?

Mit diesem Ansatz möchte ich der eingehenden Frage auf den Grund gehen und zu einer Lösung finden, besser mit diesem Thema umzugehen.

Überzeugungen

Überzeugungen in Bezug auf Ernährung besser verstehen zu können, ist ein Blick darauf lohnenswert, was das „Allgemeinwissen“ dazu sagt. Zu diesem allgemeinen Wissen über Ernährung zählt das, was wir von unseren Eltern mitbekommen haben sowie generelle Ernährungsempfehlungen von Institutionen, aber auch TV-Beiträge, Illustrierte und sonstige Magazinen, die Aussagen wie „xy verursacht Krebs“ aufs Titelblatt schreiben.

Es zeigt sich: viele Quellen wirken auf uns ein, die alle dazu führen, dass wir eine Meinung zum Thema gesunde Ernährung entwickeln. Denn darauf scheint ja jeder auszusein: sich gesund zu ernähren.

Zum gängigen Allgemein-Wissen zählen beispielsweise:

  • Milch macht starke Knochen  
  • Fleisch sorgt für Muskelkraft
  • Fett macht fett und ist schädlich 
  • Obst und Gemüse sind gesund   

Milch und Fleisch fallen bei der veganen Ernährung raus. Schlussfolgerung: vegane Ernährung kann nicht gesund sein!  Im Gegensatz dazu: Obst und Gemüse werden in einer rein pflanzlichen Ernährung, wie der Name schon sagt, vermehr verzehrt. Aber nur Obst und Gemüse?! Nein, das kann auch nicht gesund sein. Schlussfolgerung: vegane Ernährung kann nicht gesund sein!  

So findet der kritische Mischköstler seine Argumente gegen die vegane Ernährung und vertritt diese selbstbewusst. Schließlich ist das ja eine universelle Meinung und jeder sieht das so. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sowie zahlreiche andere Institutionen empfehlen ja auch nicht, tierische Produkte gänzlich zu streichen.

Hinzu kommt das Argument der Einschränkung: „Was kannst du denn dann noch essen?!“

Ernährung ist ein emotional belastet Thema: wir verbinden spezielle Gerichte mit Kindheitserinnerungen oder laden zum Essen ein, wenn es was zu feiern gibt. Zugleich ist die Art, wie wir essen auch sehr individuell – keiner isst exakt das Gleiche wie der andere – und eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Klar, lassen wir uns deshalb nicht gerne von anderen vorschreiben, was wir denn zu essen hätten. So empfinden Menschen die Einschränkung durch das Wegfallen der tierischen Lebensmittel, als einen zu großen Eingriff in ihr freies, selbstbestimmtes Leben und lehnen die vegane Ernährung gleich lieber komplett ab.

All diese Argumente kann ich so gut nachvollziehen; schließlich stand ich selber den Großteil meines Lebens an genau demselben Standpunkt. Ich wusste es auch einfach nicht besser! An „Nicht-Besser-Wissen“ ist grundsätzlich nichts verkehrt; dahinter steht ja auch keine böse Absicht. Diese Sichtweise kann uns sehr dabei helfen, gutmütiger mit dem Gegenüber zu sein.

Im nächsten Schritt hilft es, die Argumente noch besser nachzuvollziehen und zu sehen, welche wissenschaftliche Grundlage dahinter steckt. Warum denkt mein Gegenüber, dass ein Leben ohne tierische Produkte nicht gesund sein kann?  

Mit Milch wird vor allem die Versorgung mit Calcium assoziiert und im nächsten Schritt damit die Knochengesundheit. Für jene ist Calcium tatsächlich ein wesentlicher Faktor. Dazu kommen jedoch noch anderen Vitamine und Mineralien, die für die Knochen essentiell sind. Zudem hat sich herausgestellt, dass Bewegung und körperliche Aktivität zu den bedeutendsten Faktoren gehören.

Es ist also nicht nur das Calcium, das für starke Knochen wichtig ist. Die eigentliche Überzeugung ist aber, dass Calcium nur über Milchprodukte aufgenommen werden könne. Was aber die meisten nicht wissen und deshalb so an diesem Argument festhalten: sehr viele pflanzliche Lebensmittel sind hervorragende Quellen für Calcium! Dazu gehören beispielsweise Sesam, Mandeln, Chiasamen oder Rucola.

Sehr ähnlich ist die Argumentationsgrundlage auch bei Fleisch oder Fisch. Die für uns wertvollen Makro-und Mikronährstoffe aus diesen Tieren, wie Proteine oder Omega-3-Fettsäuren, sind auch in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten.

Und letztlich darf nicht vergessen werden: Auch Tiere essen Pflanzen und geben durch ihre eigenen Stoffwechselprozesse die wertvollen Inhaltsstoffe nur an uns weiter. Alles Gesunde für unseren Körper stammt also ursprünglich aus Pflanzen – der Umweg über das Essen von tierischen Produkten ist gar nicht notwendig.

So komme ich zu dem Fazit: negative und kritische Aussagen des Gegenüber können auf Überzeugungen beruhen. Mit dem Wissen darüber, worauf genau diese beruhen, können wir den Gegenüber besser verstehen und die kritischen Aussagen harmonisieren.  

Allerdings kann „Allgemeines Wissen über Ernährung“ nicht nur der einzige Grund dafür sein, warum vegane Ernährung belächelt oder verurteil wird. Deshalb gehe ich in den nächsten Blogbeiträgen auf weitere Gründe ein.

Ich freue mich, wenn ihr dann auch noch weiterlest 😊

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