Wer kennt sie nicht – die Brotliebhaber in diesem Lande. Hier in Deutschland haben wir eine regelrechte Brotkultur, die sich nicht nur durch die über 3.000 Sorten bemerkbar macht. Mit dieser Anzahl knuspriger Gebäckvielfalt haben es die Bäcker sogar geschafft, die Deutsche Brotkultur als immaterielles Kulturerbe festzuschreiben. Allein diese Tatsache spiegelt wieder, welch eine Euphorie die Mehlspeisen auslösen und wie wichtig der Konsum dieser den Deutschen ist.

So kommt es nicht selten vor, dass Brot und Brötchen sämtlicher Varianten bei Einigen mehrmals auf dem Tisch landen. Angefangen beim Frühstück löst das knusprige Brötchen, meist belegt mit Butter, Käse oder einer süßen Marmelade, mit seinen Krümeln einen Staubsauger Einsatz aus. Kein Problem, lieber knusprig als pappig – dann muss halt mal gestaubsaugt werden. In der Mittagspause muss es dann schnell gehen: gerne ein belegtes Brot von zuhause oder dem Bäcker um die Ecke auf die Hand. Als ausgewogenere Variante vielleicht auch mal ein bunter Salat mit Brotbeilage – man will ja satt werden. Nach dem Arbeitstag wieder zuhause angekommen ist die Lust auf eine großartige Kochaktion dann doch gering und so wird zur typischen Abendspeise gegriffen: dem Abendbrot. Belegt mit herzhaften Aufschnitten-oder strichen und dekoriert mit einem Scheibchen Gurke oder bepfefferter Tomate findet das Gebäck seinen Weg in den Verdauungstrakt.

Damit stellt sich heraus: morgens, mittags, abends Brot ist hierzulande keine Seltenheit!

Auch in meinem Bekannten-und Familienkreis beobachte ich dieses Phänomen sehr rege und darf auch meine Vergangenheit nicht verschweigen. Die eben beschriebene Brotabfolge gehörte in meiner Kindheit nicht der Seltenheit an. Brötchen, Brote oder Knäckebrote zu verspeisen waren für mich seither das Normalste der Welt.

Seitdem ich mich mehr mit den Themen Gesundheit und Ernährung beschäftige und auch meine Zertifizierung zur veganen Ernährungsberaterin habe, betrachte ich die Brot-Euphorie von einem anderen Standpunkt. Auch die immer mehr beschriebenen Fälle von erkrankten Menschen, die bei den Ernährungsdocs aufschlagen und eine blütenweiße Brotliebhaberei verfolgen, um dann die Empfehlung zu bekommen, jene doch besser zu reduzieren, geben mir Recht, dass dieses Thema einen Artikel auf meinem Blog verlangt.

Und damit eine Reflexion und Aufklärung liefern soll, den vielleicht ausschweifenden Brotkonsum zu überdenken 😉 Aber keine Sorge – ich werde dir dein Brot nicht madig sprechen. Denn mein Credo bleibt nach wie vor: es gibt per se keine ungesunden Lebensmittel.

Warum lieben wir unser Brot?

Fangen wir im Ursprung an und klären die Frage, warum es uns das Brot so angetan hat. Das mehlige Objekt der Begierde hat nämlich einige nicht zu vernachlässigende Vorteile für uns, die unsere Liebe zu ihm erklären mögen.

Was für einige asiatische Länder der Reis ist, ist für uns das Brot. Es ist schnell zu essen und an jeder Straßenecke verfügbar. Sich ein Brot zu schmieren ist kein großer Aufwand, da es auch nicht allzu viele Zutaten braucht. Will man sich mal ein exquisiteres Abendessen zubereiten, das aus einer Vielzahl an Ingredienzien besteht und mehrere Zubereitungsschritte erfordert, bedeutet das dementsprechend einen höheren Aufwand für den hungrigeren Betrachter. Heutzutage muss es schnell gehen und einfach sein. Das Brot erfüllt diese Ansprüche – Kein Wunder also, dass es noch immer ubiquitär in unseren Küchen vertreten ist und einen hohen Stellenwert genießt.

Zum Genuss steuert auch die unglaubliche Vielfalt an Gebäcken bei. Wie eingangs erwähnt gibt es über 3.000 Brotsorten, die dem anspruchsvollen Brotliebhaber eine gern gesehene Abwechslung bieten. Ernährung soll nämlich nicht nur einfach und schnell sein, sondern auch Vielfalt liefern. Durch die unterschiedlichen Sorten, geschmackvolle Mehle und aufgestreute Kerne kann das Brot auch dieses Kriterium mit einer Leichtigkeit erfüllen.

Es passt sich auch ganz mühelos an Trends an: ist heute Low-Carb der letzte Schrei, kann sich auch das Brot neu erfinden. Kohlenhydratarme Mehle, Kerne und Saaten werden zusammengerührt und ergeben ein neuartiges Brotgefühl – das aber dennoch nicht so sehr von seinem alteingessenen Verwandten abweicht, dass man es nicht mehr erkennen würde.

Denn auch das ist Brot: das Gefühl von Verwurzelung, Tradition und Heimat. Wir alle sind mit ihm aufgewachsen, haben die Brotliebe von unseren Eltern übernommen und vermissen es in Urlauben. Ein Frühstücksbuffet ohne Brot sieht der deutsche Urlauber nicht gern! Gut, dass sich die Hotels in unserer globalisierten Welt auch daran anpassen.

Anpassen ist ein gutes Stichwort, denn auch hier hat das Brot seine Finger im Spiel und macht uns zu Verbündeten. Wegen unser frühen Heranführung an Brot und den stetigen Genuss sind unsere Geschmacksnerven auf die Einverleibung von brotigen Speisen gepolt. Es ist ein gewohnter Geschmack, der uns Sicherheit gibt. Menschen sind nun mal Gewohnheitstiere und fühlen sich mit bekannten Geschmäckern besonders wohl. Belegtes Gebäck schmeckt vollmundig, salzig und erfüllt damit auch noch ernährungsphysiologische Reize. 

Man sieht also: die Liebe zu unserem Brot kommt nicht von irgendwo her!

Warum es besser ist, weniger Brot zu essen

Wenn das Brot doch so viele Vorteile für uns zu bieten hat, warum weisen dann Ernährungsfachkräfte darauf hin, die Scheibenanzahl zu reduzieren?

Im Grunde steckt der Brot-Teufel in zweierlei Gewand: zum einen ist es die konsumierte Menge und zum anderen das ernährungsphysiologische Profil. Um das besser zu beleuchten, müssen wir einen kleinen Blick in die Brotkruste und dessen weiches Innenleben werfen.

Brotwaren bestehen meist aus einigen wenigen Zutaten: Wasser, ein Backtriebmittel, Salz und Mehl. Letztere Zutat macht den größten Anteil des leckeren Gebäcks aus und ist aufgrund seines Ausmahlungsgrades in die Kritik geraten. 85% der hierzulande gekauften Brote bestehen aus Weißmehl, das seinen Vollkorn-Kollegen im Nährstoffgehalt deutlich unterlegen ist. Somit sind die üblichen Brote ziemlich nährstoffarm und tragen nicht im gewünschten Maße dazu bei, den Körper mit überlebenswichtigen Nährstoffen zu versorgen. Zudem lässt dieses weiße Mehl den Blutzuckerspiegel bei den meisten Menschen auch sehr viel rasanter und deutlicher in die Höhe schnellen, was wiederum die Insulinantwort beeinflusst. Da erhöhte Spiegel dieses Hormons mit einigen Krankheiten assoziiert sind, gerät das Weißbrot in ein ziemlich schlechtes Licht. 

Auch an dieser Stelle möchte ich nochmal betonen: es gibt per se keine ungesunden Lebensmittel. Wie bei so vielem macht´s die Menge und die Alternative, die man stattdessen essen könnte. 

Das heißt also auch, dass der Brotkonsum nährstoffreichere und gesundheitsförderlichere Lebensmittel verdrängt. Wir haben ja täglich nur eine gewisse Menge an Nahrung zur Verfügung, die unseren Magen füllt und uns satt macht. Deshalb ist es besser, solche Lebensmittel auszuwählen, die dem Körper nützliche Nährstoffe zur Verfügung stellen.

Auch die Abwechslung macht´s: esse ich jeden Tag nur Salat, bekomme ich auch nicht alle gewünschten Mineralstoffe, Proteine & Co. Genauso verhält es sich beim Brot: Kartoffeln, Hirse oder Quinoa sind willkommene Abwechslungen für herzhafte sowie süße Hauptmahlzeiten und sorgen für eine ausgewogene Ernährung.

Neben dem beschriebenen (Weiß-)Mehl ist das enthaltene Salz eine häufig genannte Negativ-Fassette des geliebten Brot-Objekts. Wir leben in einer Gesellschaft, in der tendenziell zu viel Salz konsumiert wird und die Tagesempfehlung von 5-6g regelmäßig überschritten wird. Hauptursache sind verarbeitete Lebensmittel, die im industriellen Prozess eine Menge des weißen Goldes zugesetzt bekommen und somit ihren Beitrag zur Salz-Überversorgung leisten. Da es sich bei Brot um ein verarbeitetes Lebensmittel handelt, ist auch hier meist eine Menge Salz enthalten. Berücksichtigt man dann noch die üblichen Belage wie (Frisch-)käse, Wurst, Aufstriche oder Feinkostsalate erreicht man die empfohlene Maximaldosis spielerisch.

Es ist also nicht nur das Brot an sich, das schon viel Salz liefert, sondern auch das, was wir daraus machen! Die Einflüsse von zu viel Salz auf unseren Körper sind schon ziemlich gut erforscht und Bluthochdruck wohl die bekannteste Folge. Wenn man bedenkt, dass Herzkreislauf-Erkrankungen, die erwähnter hoher Blutdruck maßgeblich mit beeinflusst, die Todesursache Nummer 1 weltweit sind, versteht man Ernährungsfachkräfte und Ärzte umso mehr, wenn sie auf einen moderaten Salzkonsum hinweisen.

Was also tun?

Das BBP – mein Best Brot Practice

Um Brot wieder zu deinem Verbündeten zu machen, habe ich einige Tricks für dich parat. Wie schon beschrieben war auch ich ein hiesiger Brotkonsument und habe durch einige neue Gewohnheiten ein besseres Verhältnis zu unser aller Liebling aufgebaut.

Abgesehen davon welches Brot du essen möchtest, ist die Menge der erste Ansatzpunkt. Liebst du deine Brötchen zum Frühstück, probiere weitere Lebensmittel aus, die du zwischendurch, auf der Arbeit oder abends essen kannst. Das Nachkochen von vollwertigen Rezepten mit anderen Kohlenhydrat-Lieferanten macht sehr viel Spaß und kann auch schnell gehen! 🙂

Wenn du dein Abendbrot liebst, kannst du auch probieren, es nur noch als Beilage zu sehen statt als Hauptspeise. Anstatt Brot mit Aufstrichen oder Gemüsescheiben zu belegen, kannst du das Verhältnis einfach umdrehen: mache dir eine Rohkost-Platte oder gegartes Gemüse, esse einen Dip sowie deine Brotration dazu.

Neben der Brot-Menge kannst du dir auch mit dem Switch zu anderen Inhaltsstoffen einen Gefallen tun. Vorrangig geht es hier natürlich darum, den Vollkorn-Anteil im Brot zu erhöhen. Auch enthaltene Kerne oder Saaten werten ein Brot in seinem Nährstoffgehalt auf und sorgen für eine bessere Sättigung. Besondere Obacht ist bei vermeintlichen Vollkorn-Broten geboten: da noch immer das Gerücht kursiert, dass ein dunkles Brot = Vollkorn bedeutet, färben einige Bäcker ihre Waren künstlich ein (meist mit malzigem Zuckerrübensirup). Verlasse dich also nicht aufs Aussehen – die inneren Werte zählen!

Um dir bei den inneren Werten noch sicherer zu sein, kannst du dich auch selber am Ofen üben und das Gebäck frisch im eigenen Hause zubereiten. Damit kannst du dir auch über dessen Salzgehalt im Klaren sein und umgehst ungewollte Zusatzstoffe. Denn auch im Brot können tierische Bestandteile (Honig, Butter, zermahlene Borsten) enthalten sein, um den Teig aufzulockern.

Damit möchte ich mein Brot-Gedicht beenden und wünsche dir weiterhin viel Spaß und Appetit beim Brötchenessen 🙂 

 

8 Kommentare

  1. Du hast so recht: Die inneren Werte sind entscheidend! Es geht doch nichts über ein mit viel Liebe gebackenes Vollkornbrot vom Getreidedealer deines Vertrauens, mit Liebe belegt und auch noch lange sättigend. Mit Vollkorn-Haferflocken, Nüssen und Lieblingsobst in den Tag starten hat auch noch niemandem nachhaltig geschadet glaube ich. Neben den von Dir genannten Alternativen sicherlich eine lohnenswerte Abwechslung, um den Horizont in der (Getreide-)Welt zu erweitern. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag! 🙂

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    • Sehr schön von dir zu lesen! Die Brotliebe beschreibst du sehr anschaulich 😉 Das umschriebende Vollkornbrot des Lieblingsbäckers kann ich geradezu in meinem Gaumen schmecken 😀 Haferflocken mit allerlei Begleitung sind wirklich eine optimale Alternative zum morgendlichen Brötchenschmieren. Danke für die Erwähnung!

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  2. Hallöchen!dieser Beitrag hat mich schmunzeln lassen. Ich liebe Brot sehr. Wie schon geschrieben gibt es viele leckere Variationen. Ich habe es aber auch eine Zeitlang mit weniger Brotkonsum versucht und es hat erfolgreich geklappt. Aber für die sogenannte schnelle Variante zur Versorgung bei der Arbeit ist es einfach super und lecker zu variieren. Auf weiterhin so tolle Beiträge!!!!

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    • Herzlichen Dank für deinen Erfahrungsaustausch! Wie du schon schreibst, hängt der Brotkonsum auch mit Gewohnheiten zusammen. Es geht auch mit weniger, wenn man es sich vornimmt 🙂

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  3. Hi 🙋bin auch mit einer lebendigen Brotkultur groß geworden. Brot ist das neue Gold haha 😂
    Finde den Beitrag hinsichtlich der Begründung, warum man weniger/ausgewähltes Brot essen sollte, sehr informativ.
    Ich bin auch leidenschaftlicher E-Docs Zuschauer und muss beim Ernährungsprotokoll regelmäßig den Kopf schütteln 🤦

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    • Ich danke dir sehr für dein Feedback. Es scheint, dass wir dieselben Sendungen schauen und einen ähnlichen (Brot-)Background haben 😀

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  4. Hallo ich als Italiener liebe Brot un Pizza aber hab mein Brot Konsum radikal reduziert und mit Ersatz wie zb. Mais Waffeln oder Glutenfrei Brot mit Samen . Stimm voll komm alles was du geschrieben hast , aber ist für die meisten Mensch schwer die Gewohnheiten zu ändern . Ich hab das geschafft und hab noch viel Arbeit Vor Mir !!!

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    • Wie inspirierend von dir zu lesen! Eine tolle Entwicklung, die du da beschreibst! 🙂 Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß dabei, Alternativen zu Brot zu suchen – wird bestimmt köstlich!

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