Kennst du diese meterlangen bunten Regale im Drogeriemarkt, die für jedes Problemchen eine Lösung kennen? Ob nun Kieselerde für bessere Fingernägel oder die klassische Vitamin C Tablette. Es gibt ein riesiges Angebot, das mich früher sehr verunsichert hat und dessen ich mich doch regelmäßig bedient habe. Gerade in den ersten Monaten meiner veganen Karriere griff ich sicher zu den sogenannten Vegetarier-Vitaminen (ungeachtet dessen, dass ich ja eigentlich keiner war). Ich wollte ja auf Nummer sicher gehen. Ob ich alles da drinnen tatsächlich brauchte oder ob es ausreichte – keine Ahnung.

So oder so wollte ich Verantwortung für meine Nährstoffversorgung übernehmen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich damals noch gar nicht wusste, dass ich unbedingt Vitamin B12 supplementieren musste. Ich war der Inbegriff einer uninformierten Veganerin, die einfach mal so los legt. Gute Gründe gesammelt hatte ich, grausame Dinge zur Genüge gelesen und ein paar Rezepte lagen auch schon in meinem Email Postfach. Über die Nährstoffversorgung hatte ich mir jedoch keine großartigen Gedanken gemacht – vielleicht auch deshalb, weil das Thema Veganismus 2014 noch ziemlich in den Kinderschuhen steckte.

Jedenfalls beschäftigte ich mich erst sehr spät mit dem Thema Nahrungsergänzung und weiß erst durch die Ausbildung zur veganen Ernährungsberaterin so richtig Bescheid. Ich habe die Thematik ziemlich lange vor mir hergeschoben, weil ich es so unnatürlich fand, auf Ergänzungen zurückzugreifen. Damit würde ich mir ja eingestehen, dass meine Ernährungsform doch nicht so phänomenal nährstoffdeckend ist und die vegane Ernährung nicht für den Menschen gemacht. Dass wir eben doch tierische Tiere Produkte konsumieren sollten, um alle wichtigen Nährstoffe zu erhalten.

Mit diesen Gedanken bin ich tatsächlich nicht allein, denn das Argument, Supplemente seien unnatürlich und das klar gegen die rein pflanzliche Ernährung spräche, läuft mir sehr oft über den Weg. Allen, die sich für die vegane Kost entscheiden, wird das früher oder später entgegengespielt werden. Was sagt man dann in einer solchen Situation?

Um darauf eine gescheite Antwort zu haben, habe ich diesen Blog Artikel für dich geschrieben. Und um dafür sorgen, ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, was „natürlich“ sowie dessen Gegensatz überhaupt bedeuten können.

Natürlich bedeutet nicht gleich auch gut

Das Wort „Natürlichkeit“ ist in unserem Sprachgebrauch sehr positiv belastet. Wir assoziieren damit die Vollkommenheit der Natur, Reinheit und das pure Leben. Natürlichkeit bedeutet auch, dass etwas unbehandelt ist und so daher kommt, wie Gott es geschaffen hat. Fernab von irgendwelchen chemischen Änderungen oder Verarbeitungen und einfach gut und gesund für uns.

Aus dieser Beschreibung ergeben sich tatsächlich aber zwei wichtige Fragen, die uns bei der Beantwortung, ob Supplemente unnatürlich sind, ein ganzes Stück voran bringen können.

Die erste Charaktereigenschaft des Wortes Natürlichkeit ist die Beschreibung, dass die Natur vollkommen sei. Kann etwas überhaupt vollkommen sein? Keine Sorge, das soll nicht nach einer philosophischen Frage klingen. Vielmehr möchte ich auf den sogenannten naturalistischen Fehlschluss hinführen. Demnach ist der Ansatz zu denken, dass die Natur makellos sei und nur Gutes für uns bereit hält, ein Irrglaube. Mit Beginn der Industrialisierung haben wir begonnen, sehr stark in die Umwelt einzugreifen und uns Methoden überlegt, sie nach unserem Geschmack umzugestalten. Was nicht passte wurde passend gemacht und deshalb sind wir hierzulande auch sehr weit von einer vollkommenen Natur entfernt. Vielmehr haben wir uns die ganze Forschung zu nutze gemacht und sehr viel Wissen über sämtliche Bereiche, wie auch unsere Gesundheit, aufgebaut. Dazu gehört auch, dass wir herausgefunden haben, was sich negativ auf das Fortbestehen unser Gattung auswirkt. Und damit sind wir bei der zweiten wichtigen Frage angekommen, die uns näher zum Ziel führt. Nämlich die Assoziation, dass etwas Natürliches immer gut für uns ist. Ist das tatsächlich so?

Definitiv nein: das beweist uns die derzeitige Situation in einem eindrucksvollen Maß. Bakterien und Viren sind etwas ganz Natürliches und sind im Übermaße alles andere als gut für unsere Gesundheit. Natürlichkeit kann also auch sehr gefährlich sein. Die Anstrengungen darum, einen Impfstoff zu finden, sehen die meisten hingegen als sehr positiv und sind auch dafür bereit, sich impfen zu lassen. Bleiben wir bei unseren bisherigen Gedanken und Interpretationen ist der Einsatz dieser Impfstoffe hingegen weniger natürlich. Ist er doch im Labor fabriziert worden und enthält sämtliche Inhaltsstoffe, die in dieser Kombination in der Natur nicht vorkommen.

Verstehst du, was ich meine?

Die Natürlichkeit einer Sache muss nichts damit zu tun haben, ob sie per se gut oder schlecht ist. Damit ist Natürlichkeit auch keine überzeugende Grundlage einer Argumentation für oder gegen etwas. Wir sollten immer den Zusammenhang sehen und uns nicht zu fein dafür sein, das Wissen der Forschung für uns zu nutzen, auch wenn dabei Dinge erschaffen werden, die fernab jeder natürlichen Schöpfung zu sein scheinen.

Demnach ist es auch vollkommen in Ordnung, dass vegan lebende Personen zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen. Sie haben sich bewusst dafür entschieden, einige wenige Nährstoffe nicht aus tierischen Produkten aufzunehmen und dafür entweder auf die direkte Quelle zurückzugreifen oder auf isolierte Nährstoffpräparate. 

Das liegt keinesfalls an der veganen Ernährung an sich oder dass diese nicht die ideale Ernährung für den Menschen wäre. Vielmehr ist es das Resultat unserer Nahrungsmittelindustrie und der Tierhaltung.

Tatsächlich wären viele Menschen mit einigen Nährstoffen sehr viel leichter unterversorgt, würden sie nicht so viel Käse, Wurst und andere tierische Fertigprodukten essen. Diese Nahrungsmittel haben einen Teil ihrer Nährstoffgehalte nämlich auch nur über angereichertes Tierfutter erhalten. Vitamine und Mineralien wie Vitamin B12, Jod und Selen werden dem Futter beigemischt, um dann in entsprechenden Dosierungen im fertigen Supermarkt-Produkt glänzen zu können. Das heißt also, dass diese für uns überlebenswichtigen Stoffe in tierischen Produkten nicht in natürlicher Konzentration, ohne das Zu-Tun der Industrie, so hoch wären. Es findet also permanent eine indirekte Supplementierung statt, die durch miserable Haltungsformen und Schlachtungen mit großem Leid für die Tiere verbunden ist.

Es liegt also auf der Hand, die betroffenen Nährstoffe lieber auf direktem Wege und ohne potenziell schädliche Beiprodukte wie Cholesterin oder gesättigte Fette aufzunehmen. Oder? 🙂 

Das fiese Los

Nur leider ist es so, dass man als Veganer oft schräg angeguckt wird, wenn man sich ein Vitamin B12 Präparat einverleibt. Da kommen dann die üblichen Sprüche wie „siehst du, deine Ernährung ist ja gar nicht so toll“ und „das ist doch echt ein Argument gegen den Veganismus, wenn man da noch solche Pillen einschmeißen muss.“

Wie oben schon erwähnt, steckt der Teufel eigentlich woanders und die Einnahme von Supplementen muss nicht zwangsläufig für oder gegen eine Ernährungsweise sprechen. Vielmehr macht das Zusammenstellen der Kost DEN Unterschied überhaupt. So kann sowohl eine mangelhaft geplante vegane Ernährung zu Nährstoffdefiziten führen als auch eine typisch deutsche Mischköstliche.

Das mögen auch die tatsächlichen Verkaufsdaten von nährstoffergänzenden Produkten widerspiegeln. So berichtet die Nationale Verzehrstudien II, dass in Deutschland knapp 28% der Bevölkerung regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Zählt man nun 1+1 zusammen, erkennt man schnell, dass dies bei weitem nicht die ganzen Veganer sein können. Es scheint also viel mehr so, dass ein guter Teil der Mischköstler diese Mittel nutzen. Nur wird es den Veganern dann zur Last gelegt, wir würden ja so viele Supplemente brauchen…

Es spricht ja auch grundsätzlich nichts dagegen, solche Präparate einzunehmen, wenn sie denn korrekt dosiert sind und sie nicht dazu genutzt werden, um ungesunde Lebensweisen auszugleichen. Viele greifen aber auch vorsorglich, ohne ihre Blutwerte zu kennen einfach so zu den bunten Schachteln. Davon rate ich definitiv ab, denn bei Nährstoffen gilt nicht das Prinzip umso mehr, desto besser. Der Körper hat einen bestimmten Bedarf und so können Überdosierungen auch zu ungewollten Nebenwirkungen führen und damit gesundheitlich abträglich wirken.

Also bevor du irgendwas kaufst, überlege unbedingt, ob du dieses Supplement wirklich brauchst und ziehe gerne einen Profi zu Rate.  Eine genaue Analyse des Speiseplans sowie eine Blutuntersuchungen können dir die entscheidenden Hinweise geben, was du für deine bedarfsdeckende Ernährung brauchst. Gerne helfe ich dir in meinen Coachings dabei, genau das zu erreichen 🙂

 

4 Kommentare

  1. Das ist ein interessanter Artikel, den ich anderen Menschen gerne zeigen würde.
    Danke für den Input!

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    • Super, das freut mich sehr 🙂

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  2. Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag! Es ist toll, dass hier mal jemand Licht ins Dunkle bringt, bei der ganzen Auswahl an Nahrungsergänzungsmitteln, die es mittlerweile gibt.

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    • Dankeschön 🙂 Ja, da hast du recht! Es gibt wirklich so viele Mittelchen an jeder Ecke zu kaufen. Auch das Internet wimmelt nur so davon 😀

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